Arbeitnehmerveranlagung samt Steuergutschrift – leicht gemacht

Arbeitnehmerveranlagung samt Steuergutschrift – leicht gemacht

Eine Arbeitnehmerveranlagung samt Steuergutschrift kann online rückwirkend für fünf Jahre über FinanzOnline beim Finanzamt beantragt werden. Der Antrag kann bis zum Ablauf des fünften Jahres nach Ende des Veranlagungszeitraumes (das ist der Zeitraum, für den die Steuer festgesetzt wird) gestellt werden (z. B. für das Jahr 2015 bis zum 31. Dezember 2020).

Die Lohnsteuer ist eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer und kommt bei Angestellten sowie bei Arbeitern und Arbeiterinnen für Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit gem. § 25 EStG zum Tragen. Ihr Arbeitgeber behält für Sie die zu entrichtende Lohnsteuer aufgrund der Höhe Ihres Bezuges ein und führt diese einbehaltene Lohnsteuer an das Finanzamt ab. Die Lohnsteuer richtet sich immer nach dem aktuellen Einkommensteuertarif.

Die Lohnsteuer wird generell so berechnet, als hätten Sie das ganze Jahr hindurch gleich hohe Bezüge gehabt. Wenn Sie jedoch einen Jobwechsel mit unterschiedlichen Bezügen hatten, kann sich eine Arbeitnehmerveranlagung samt Steuergutschrift auszahlen. Ein Beispiel: Haben Sie in einem Jahr sowohl Gehalt als auch Zivildienstbezug erhalten, dann werden die zwei unterschiedlichen Bezüge quasi über das ganze Jahr geglättet, und es käme in diesem Fall zu einer Steuerrückzahlung seitens des Finanzamtes.

Es gibt drei Veranlagungsarten:

  • Antragsveranlagung – wenn kein Pflichttatbestand zur Pflichtveranlagung vorliegt, jedoch auf Antrag des bzw. der Steuerpflichtigen, weil z. B. eine Behinderung vorliegt
  • antragslose Veranlagung von Amts wegen – erstmalig in der zweiten Jahreshälfte 2017 für das Jahr 2016 von Amts wegen, das heißt ohne Abgabe einer Steuererklärung

Erstmalig erfolgte in der zweiten Jahreshälfte 2017 für das Jahr 2016 eine antragslose Arbeitnehmerveranlagung. Betroffen davon waren jene Steuerzahler/-innen,

  • die bis zum Juni 2017 keine Steuererklärung für das Jahr 2016 abgegeben hatten,
  • bei denen aufgrund der Aktenlage davon auszugehen war, dass es nur lohnsteuerpflichtige Bezüge gab, oder
  • bei denen aufgrund der Aktenlage davon auszugehen war, dass keine Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen eingereicht werden würden (weil dies in den Vorjahren nie der Fall gewesen war).

Auf diese Weise wurde eine eventuell zu viel einbehaltene Lohnsteuer automatisch refundiert oder ein Alleinverdiener-/Alleinerzieherabsetzbetrag oder die Sozialversicherung erstattet.

  • Pflichtveranlagung:
    • wenn Sie durch andere Einkünfte mehr als 730 EUR im Jahr dazuverdient haben;
    • wenn Sie zwei oder mehr Arbeitgeber hatten oder zumindest zwei oder mehr lohnsteuerpflichtige Einkünfte gleichzeitig bezogen haben (z. B. wenn Sie gleichzeitig eine ASVG-Pension und eine Firmenpension erhalten haben);
    • wenn der Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzberag zu Unrecht berücksichtigt wurde;
    • wenn Sie Dienstleistungsschecks, Rehabilitationsgeld oder Gelder aus dem Insolvenz-Entgelt-Fond erhalten haben;
    • wenn Sie den Freibetragsbescheid über den Dienstgeber bei der Lohnverrechnung haben berücksichtigen lassen;

Mein Tipp: Wenn kein Pflichtveranlagungsgrund vorliegt und bei der Online-Vorausberechnung bei Ihnen eine Steuernachzahlung herauskommen sollte, können Sie diese Veranlagung zurückrufen.

 

Arbeitnehmerveranlagung und Steuergutschrift, Claudia Gloser, BA von Fibu Gloser

Spezial: Arbeitnehmerveranlagung und Behinderung gem. § 35 EStG

Bei Vorliegen von körperlichen oder geistigen Behinderungen vermindern Aufwendungen, die Ihnen durch Ihre eigene Behinderung tatsächlich und nachweisbar entstanden sind, die Steuerbemessungsgrundlage und es kommt zu einer Steuergutschrift. Dafür muss jedoch eine Arbeitnehmerveranlagung eingereicht werden.

  • Es muss eine mindestens 25%ige Behinderung lt. Sozialministeriumservice (früher BASB) vorliegen, d. h., Sie verfügen über einen Bescheid und einen Behindertenpass, der dies ausweist.
  • Pauschbeträge (= Pauschalbeträge) sind vom Grad der Behinderung abhängig und stehen nur dann zu, wenn kein Pflegegeld bezogen wurde. Unter Pflegegeld fallen auch die Blindenzulage und das Blindengeld sowie die Pflege- oder die Blindenbeihilfe.
  • Neben den Pauschbeträgen können auch regelmäßig angefallene Aufwendungen für Hilfsmittel sowie Kosten der Heilbehandlung (Arzt-, Spitals-, Kur-, Therapie- und Medikamentenkosten) berücksichtigt werden.
  • Alleinverdiener/-innen oder Alleinerzieher/-innen können, wenn die Einkünfte des Ehepartners bzw. der Ehepartnerin den Betrag von 6.000 EUR nicht überstiegen haben, auch die Mehraufwendungen aufgrund einer Behinderung des Ehepartners bzw. der Ehepartnerin geltend machen.
  • Nicht regelmäßig anfallende Aufwendungen für Hilfsmittel – wie z. B. ein Rollstuhl, eine rollstuhlgerechte Adaptierung Ihrer Wohnung, ein Hörgerät oder Blindenhilfsmittel – werden zusätzlich und ohne Kürzung durch den Selbstbehalt anerkannt.
  • Für nachweislich gehbehinderte Personen gibt es auch einen speziellen Freibetrag u. v. m.

Mein Tipp: Bitten Sie einfach Ihren Apotheker bzw. Ihre Apothekerin des Vertrauens, Ihnen eine Kundenkarte auszustellen. Lassen Sie alle Ihre Einkäufe immer auf Ihre Apothekenkundenkarte buchen. Wenn Sie regelmäßig in zwei Apotheken einkaufen, dann lassen Sie sich bei jeder Ihrer Stammapotheken eine eigene Kundenkarte ausstellen. Auf diese Weise haben Sie am folgenden Jahresanfang die vollständige Aufstellung bzw. die vollständigen Aufstellungen beider Apotheken für das Vorjahr mitsamt den erhaltenen Medikamenten mit und ohne Rezeptgebührenbefreiung inklusive der Gesamtsummen aufgelistet, die dann für die Arbeitnehmerveranlagung samt Steuergutschrift herangezogen werden kann bzw. können. Somit ersparen Sie sich das ganze Jahr über das Sammeln und Ablegen der Einzelbelege.

 

Dieser steuerliche Blog wurde verfasst von:

Claudia Gloser, BA von FIBU GLOSER® – Ihre selbstständige Bilanzbuchhalterin nach BibuG in Wien.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema?

Gerne helfe ich Ihnen beim Spezialbereich Behinderungen, um Ihre aufgewendeten Kosten bei der Arbeitnehmerveranlagung zur Reduktion der Steuerbemessungsgrundlage einzureichen und für Sie eine Ihnen zustehende Steuergutschrift zu erwirken.

Gerade dieses Thema ist für mich eine Herzensangelegenheit, da bei der genannten Personengruppe diese Aufwendungen sowohl außergewöhnlich sind als auch zwangsläufig erwachsen und der damit verbundene Mehraufwand die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mitunter stark beeinflussen kann.

Ich stehe Ihnen gerne als Unterstützung zur Verfügung. Nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf!

Visitenkarte zum Download:

Foto von FIBU GLOSER ®
Kontakt: Claudia Gloser, BA
Anschrift Reklewskigasse 30/1 Wien 1230 Österreich Mobiltelefon: +43 677 624 319 26 Webseite: Finanzbuchhaltung GLOSER Wien
Kategorien: Selbst. Bilanzbuchhalterin nach BibuG
Updated 4 Monaten ago. Zurück zum Anfang.

 FIBU GLOSER Wien

 

 

 

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